Jugendpastoral der KJG

Eine Standortbestimmung zur Jugendpastoral der KJG, hrsg. von der KJG Bundesleitung
Beschluss der Bundeskonferenz vom 06.-11. Juni 2006 in Altenberg

„KJG bewegt“ – Die Jugendpastoral der Katholischen Jungen Gemeinde
Erschienen am Festtag des Hl. Thomas Morus

„KJG bewegt“ – Die Jugendpastoral der Katholischen Jungen Gemeinde

Einleitung

 

KJG bewegt. Vieles wird in und von der KJG in Bewegung ge-bracht. Von vielem lässt sich die KJG bewegen. Das vorliegende Papier zur Jugendpastoral der KJG stellt eine Standortbestimmung dar. Wo steht die KJG mit ihrem Anspruch katholischer Verband für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu sein? Wo steht die KJG in Kirche und Gesell-schaft? Und was bedeutet das für die Jugendpastoral der KJG? Anlässe dieses Papier zu schreiben gab es mehrere:

Die zahlreichen jugendpastoralen Aktivitäten der KJG auf allen Ebenen in einem bundesverbandlichen Papier zu bündeln.

Die Diskussionen und Überlegungen während der Vorbereitung des XX. Weltjugendtages und die damit verbundenen Frage, wie sich die KJG bei diesem Großereignis präsentieren möchte.

Die Beschäftigung mit dem Jugendpastoralen Eckpunktepapier des BDKJ, das auf der Hauptversammlung 2004 verabschiedet wurde.

Die Positionierung der KJG zum 30. Jahrestag der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere zum Synodenbeschluss „Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit“1.

Die Planung einer Offensive der KJG, die mit der Bundeskonferenz 2006 unter dem Titel menschkomm! – KJG bewegt“ startet.

Bei der Bundeskonferenz 2005 wurde ein Studienteil zur Jugendpastoral unter dem Thema “Kirche in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen“ durchgeführt. Viele Diskussionen und Ergebnisse dieses Studienteils sind in das Papier mit eingeflossen. Ausgehend von den Grundlagen und Zielen der KJG beschreibt das Papier im ersten Kapitel Grundlegendes zum Verständnis der Jugendpastoral. Gleichzeitig wird damit eine biblische Orientierung aufgezeigt. In den folgenden vier Kapiteln werden die Profilbereiche der KJG beschrieben und begründet. Das letzte Kapitel zieht das Fazit, in dem deutlich wird, dass es nicht bei einer Standortbestimmung bleiben darf.

1. Grundlegendes

1.1. KJG als Kirche in der Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen – Die vier Profilbereiche der KJG

Die 1995 beschlossenen Grundlagen und Ziele der Katholischen Jungen Gemeinde werden mit dem Satz zusammengefasst: „So versteht sich die KJG als Kirche in der Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.“2 Mit dieser Formulierung möchte sich die KJG nicht abgrenzen oder ein elitäres Bewusstsein schaffen, sondern deutlich machen, dass die Lebenssituation von jungen Menschen wahrund ernst genommen werden muss. Immer wieder muss die KJG sich und ihre Arbeit darauf hin überprüfen. Gleichzeitig kommt der KJG damit eine Vermittlerrolle innerhalb der Kirche zu, da in unserer Wahrnehmung für viele junge Menschen eine Kluft zwischen ihrem Leben und dem Leben der Kirche besteht. Die KJG versteht ihre gesamte Arbeit, gerade weil sie auf den Grundlagen und Zielen basiert und sich dem Auftrag Jesu und seiner Kirche, aber auch der Lebenssituation junger Menschen verpflichtet weiß, als Jugendpastoral. Zum besseren Verständnis der jugendpastoralen Arbeit der KJG lassen sich vier Profilbereiche unterscheiden:

„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15)

KJG bewegt Leben – KJGlerinnen und KJGler sind gemeinsam aktiv

KJG bewegt Handeln – KJGlerinnen und KJGler handeln sozial und solidarisch

KJG bewegt Glauben – KJGlerinnen und KJGler sind christlich und katholisch

KJG bewegt Denken – KJGlerinnen und KJGler sind politisch aktiv

Das Verständnis der Jugendpastoral der KJG setzt voraus alle vier Profilbereiche sowie die Grundprinzipien Geschlechter-gerechtigkeit, Ganzheitliche Bildung, Freiwilligkeit, Demokratie und Selbstorganisation im Blick zu haben. Gleichzeitig muss man allerdings sehen, dass die Bereiche auf den einzelnen Ebenen des Verbandes ein unterschiedliches Gewicht haben und aufeinander aufbauen. Gerade darin besteht die Stärke der KJG, dass auf den verschiedenen Ebenen verschiedene Schwerpunkte gesetzt werden, sich aber die einzelnen Aktivitäten zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Die Jugendpastoral der KJG ist also nur in der Zusammenschau der verschiedenen Ebenen, der vier Profilbereiche sowie der Grundprinzipien des Verbandes umfassend zu verstehen. Mit diesen vier Profilbereichen bindet sich die KJG bewusst in die jeweiligen Pfarrgemeinden ein und gestaltet diese mit.

1.2. Logik einer biblisch orientierten Jugendpastoral

Am Anfang des Markusevangeliums verkündet Jesus das Reich Gottes, indem er sagt: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“3

Diese Botschaft kann man wie eine Überschrift über das ganze Wirken Jesu verstehen. Sie ist gewissermaßen Einleitung und zugleich Fazit der frohen Botschaft Jesu. Der Satz in Mk 1,15 ist aber auch Grundlage und Auftrag der Kirche und somit Leitsatz einer biblisch begründeten Jugendpastoral. In dieser Botschaft steckt eine innere Logik, eine Reihenfolge, die auch durch Jesu Wirken abgebildet wird. Der Theologe Franz-Josef Nocke bringt diese Logik auf den Punkt, indem er formuliert: „An erster Stelle: nicht eine moralische Forderung, sondern eine Einladung“4. Zuerst steht die Einladung „Das Reich Gottes ist nahe“, die mit der Erfahrung von Befreiung zum Leben verbunden ist. Die Forderung, der Aufruf zur Umkehr ist logische Konsequenz dieser Einladung. Die Forderung verliert sozusagen ihre Berechtigung ohne die Erfahrung, dass Gott ein geglücktes Leben für jeden Menschen möchte und dies auch hier und heute schon wenigstens bruchstückhaft möglich ist. Der Aufruf zur Umkehr hat nur einen Sinn und eine Bedeutung, weil das Reich Gottes in Jesus angebrochen ist. Die Praxis Jesu zeigt, dass er in Begegnungen mit Menschen immer vorbehaltlos die Erfahrung des anbrechenden Reiches Gottes diesen Menschen geschenkt hat, sei es durch Heilungen und Wunder, sei es durch die Erfahrungen von Gemeinschaft im gemeinsamen Mahl oder durch ein befreiendes Wort. „Es fängt nicht damit an, dass wir uns reinigen von der Schuld, und danach werden wir belohnt durch die Gemeinschaft mit Gott [...], sondern im Sinne des Evangeliums geht dem Aufruf zur Umkehr die Einladung zum Reich Gottes voraus.“5 Für die Jugendpastoral bedeutet das: Es geht nicht primär darum, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in kirchliche Riten und Formen einzuführen oder sie mit moralischen Forderungen zu konfrontieren, es geht darum, ihnen die Erfahrung des Reiches Gottes, „eines neuen, schöneren, reicheren Lebens“ zu ermöglichen, d.h. sie als Personen ernst zu nehmen, miteinander Erfahrungen zu machen, ins Gespräch zu kommen und auch die Bereitschaft mitzubringen, voneinander zu lernen. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene werden nur dann zu einer eigenen Spiritualität finden können, wenn sie sich als Personen ernst genommen wissen und wenn diese Spiritualität etwas mit ihren Erfahrungen zu tun hat. Dadurch werden sie ermutigt, Kirche und Gesellschaft mitzugestalten und selber „personales Angebot“ im Sinne der Würzburger Synode zu sein. Wer die Erfahrung des anbrechenden Reiches Gottes gemacht hat, der wird sich in Anspruch genommen wissen und alles daran setzten, diese Erfahrung auch denen zu ermöglichen, die sie noch nicht gemacht haben, was nichts anderes ist, als politisches Engagement im eigentlichen Sinne. Diese Logik ist nicht nur theologisch begründet. Sie lässt sich durchaus auch anthropologisch und soziologisch begründen. In der 13. Shell Jugendstudie „Jugend 2000“ beschreibt Werner Fuchs-Heinritz einen Zusammenhang zwischen Religiosität, bzw. der Bereitschaft über religiöse Themen zu reden, und der positiven Lebenseinstellung, die sich in der Zuversicht ausdrückt, die eigene Zukunft gestalten zu können. Dabei stellt Fuchs-Heinritz fest: „Also eher diejenigen Jugendlichen, die wenig Zutrauen in ihre Zukunft haben bzw. der Gegenwart verhaftet sind, vermeiden das Gesprächsthema Religion“6. Aus dieser Feststellung kann man sicher nicht schließen, dass Jugendliche ohne Zukunftsperspektiven nicht religiös sind. Man kann aber durchaus feststellen, dass positive Erfahrungen, die dem eigenen Leben Zukunft geben, Voraussetzung sind, um sich mit der eigenen Religiosität auseinander zu setzen.

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10)

2. KJG bewegt Leben – KJGlerinnen und KJGler sind gemeinsam aktiv

Jugendpastoral will mit jungen Menschen Lust und Freude am Leben entdecken. Dies gelingt nur in Gemeinschaft. Dabei entwickelt jede und jeder ein eigenes Selbstbewusstsein und fühlt sich in der Gemeinschaft beheimatet und anerkannt und wird sich auch mit anderen auseinandersetzen. Wichtig dabei ist, dass jede und jeder sich als Person ernst genommen weiß. So ist es in der KJG wichtig, dass junge Menschen sich selbst leiten lernen und sich dabei soziale Kompetenzen in der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen erwerben. Die Würzburger Synode formuliert das folgendermaßen: „Die wesentlichen Grunderfahrungen ihres Daseins machen die Menschen da, wo sie mit anderen Menschen zusammenleben. Umgekehrt findet der Mensch diese Grunderfahrungen durch die Gemeinschaft, in der er lebt, immer schon gedeutet. Gerade der Jugendliche im Reifealter erlebt beides besonders nachhaltig. […] Er entdeckt die Gruppe Gleichaltriger, und sie gewinnt mehr und mehr als neues Feld des Lebens und Lernens an Bedeutung.“7 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene lernen in der Gemeinschaft die eigenen Stärken und Schwächen, aber auch die der anderen kennen. Sie lernen damit umzugehen, d.h. Schwächen zu akzeptieren und Stärken einzubringen. Sie lernen dabei auch mit Konflikten umzugehen. Die Gemeinschaft ist somit ein wichtiger Ort der Persönlichkeitsbildung. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu „Menschen [werden], die die Dinge nach eigener Entscheidung im Licht der Wahrheit beurteilen, ihr Handeln verantwortungsbewusst ausrichten und bemüht sind, was immer wahr und gerecht ist, zu erstreben, wobei sie zu gemeinsamen Handeln sich gern mit anderen zusammenschließen.“8 Gemeinschaftserfahrungen in der Jugendpastoral schaffen Voraussetzungen für inhaltliche Aktivitäten, dürfen aber nicht zuerst als Mittel zum Zweck verstanden werden. Die Erfahrung von Gemeinschaft hat Wert und Berechtigung in sich. Was junge Menschen daraus machen, wie sie die Erfahrungen von Gemeinschaft deuten, für ihr Leben fruchtbar machen und ob und wie sie sie auf Gott hin transzendieren, ist dem anderen entzogen. Jugendpastoral hat die Verpflichtung, Freiräume (sowohl zeitlich, als auch örtlich, als auch personell) zu schaffen, in denen solche Erfahrungen möglich sind, ohne dass damit ein weiteres Ziel verfolgt wird. Es ist gut, dass junge Menschen Räume haben, in denen sie einfach mit anderen zusammen sein können und Spiel und Spaß im Vordergrund stehen dürfen. Die KJG schafft Räume, in denen das geschehen kann.

„Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ (Mt 7,12)

„Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkündige und den Gefesselten die Befreiung, und damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ (Jes 61,1f)

3. KJG bewegt Handeln – KJGlerinnen und KJGler handeln sozial und solidarisch

In der Gruppe machen junge Menschen die Erfahrung, dass die eigene Freiheit begrenzt ist durch die Freiheit des anderen. Damit verbunden ist auch die Erfahrung, dass ich viel zurückbekomme, wenn ich etwas in Gemeinschaft und andere investiere. Der einfache Grundsatz „wie du mir, so ich dir“ wird sehr schnell verstanden, sowohl negativ, als auch positiv. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene erwerben sich soziale Kompetenzen in der Gruppe. Sie begreifen, dass alle unterschiedlich sind und jede und jeder einmalig ist. Unterschiedlichkeit kann ohne Wertung akzeptiert und als Vielfalt geschätzt werden. Die jungen Menschen lernen Sensibilität dafür zu entwickeln, dass jede und jeder etwas anderes braucht für das Gelingen des je eigenen Lebens. So können sie in jedem Menschen den Nächsten sehen. Gleichzeitig bekommt diese soziale Komponente im Verband eine umfassendere Dimension, da sich KJG nie nur als die Gruppe vor Ort versteht. Die KJG ist bundesweit eine Solidargemeinschaft, die über sich hinausweist. Der Blick wird bewusst über den eigenen Tellerrand hinaus gelenkt. Darüber hinaus vertritt die KJG inhaltliche Themenbereiche, in denen es ausdrücklich um Solidarität und soziales Engagement geht. „Mit ihrem Engagement steht die KJG ein für eine demokratische, gleichberechtigte und solidarische Gesellschaft und Kirche. Sie wendet sich gegen jede Art der Ausgrenzung und Unterdrückung von Menschen und gegen die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen.“9 Wenn junge Menschen in der Gemeinschaft Solidarität erfahren, werden sie sensibel für Ungerechtigkeit in ihrem eigenen Lebensumfeld und an anderen Orten. So können sie Engagement für mehr Gerechtigkeit am Nächsten auch über den Verband hinaus entwickeln. Dabei lernen sie, dass zwar soziales Handeln Grenzen hat, Solidarität aber keine Grenzen kennt. „Im Licht des Glaubens strebt die Solidarität danach, sich selbst zu übersteigen […]. Dann ist der Nächste nicht mehr nur ein menschliches Wesen mit seinen Rechten und seiner grundlegenden Gleichheit mit allen, sondern wird das lebendige Abbild Gottes […].“10

„Seid stets bereit jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“ (1 Petr 3,15)

4. KJG bewegt Glauben – KJGlerinnen und KJGler sind christlich und katholisch

Die KJG ist auf verschiedenen Ebenen eng an die kirchlichen Strukturen angelehnt. Vor allem auf Pfarrei- und Diözesanebene ist der Verband schon per Satzung an die Struktur der katholischen Kirche angebunden und gestaltet sie mit.11 Gleichzeitig erreicht die KJG mit ihrer Arbeit junge Menschen am Rande oder außerhalb der Kirche. Damit entspricht die KJG dem urchristlichen Sendungsauftrag (mission) der Kirche, sich den Menschen zuzuwenden. Es geht der KJG nicht um Rekrutierung, sondern darum jungen Menschen Angebote und Räume zu bieten, in denen sie ihr Leben entfalten, reflektieren und gestalten können und selbst Verantwortung für sich und die Mitmenschen übernehmen. In diesen Räumen gibt es die Möglichkeit mit anderen über den Sinn des Lebens, über Lebensperspektiven und über den Glauben ins Gespräch zu kommen. Dabei vertreten wir eine ganzheitliche Spiritualität, die sich auch der Vernunft verantwortet, und lehnen jeglichen Fundamentalismus ab. Gleichzeitig bietet die KJG Räume, in denen der Glaube gefeiert wird. Liturgie, Gottesdienst und Spiritualität müssen eng verbunden sein mit der Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Liturgie will von den Feiernden verstanden werden, was gerade in der Vorbereitung notwendige Zeit und in der Durchführung Klarheit von Zeichen und Zeichenhandlungen fordert. Liturgie darf nicht als Konsumartikel verstanden werden, sondern muss Möglichkeiten der aktiven Beteiligung eröffnen. Es muss auch möglich sein neue Formen der Liturgie auszuprobieren, so dass der Gottesdienst den Menschen als Ganzes anspricht und so zu einer Quelle für das Leben auch im Alltag wird. Wichtige Bedeutungen kommen daher der thematischen Ausrichtung von Gottesdiensten, der musikalischen und atmosphärischen Gestaltung und der Beteiligung aller Feiernden zu.12

5. KJG bewegt Denken – KJGlerinnen und KJGler sind politisch aktiv

Politisch aktiv sein bedeutet für die KJG Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene dazu zu befähigen Verantwortung zu übernehmen und aktiv Kirche und Gesellschaft mit zu gestalten. Junge Menschen sollen mitbestimmen, ihre Meinung äußern und sich für Recht und Gerechtigkeit einsetzen. Dies soll innerhalb der KJG eingeübt und praktiziert werden, indem die Satzung der KJG demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten festlegt. Gleichzeitig müssen aber Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Möglichkeiten eingeräumt werden, sich direkt in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit zu äußern. „Die KJG greift Fragen und Anliegen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf und befähigt sie, sich in Kirche und Gesellschaft zu vertreten. Insbesondere setzt sie sich dafür ein, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Pfarr- und Kommunalgemeinde gleichberechtigt mitgestalten können. Sie engagiert sich für Strukturen, die Mitbestimmung und Mitentscheidung ermöglichen.“13 Wo dies nicht direkt möglich ist, haben die Leitungen der KJG auf den verschiedenen Ebenen die Aufgabe die Interessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den kirchlichen und gesellschaftlichen Diskurs einzubringen und durchzusetzen. Der politische Auftrag der KJG als Verband, aber auch jedes einzelnen Mitglieds ist spirituellen Ursprungs und begründet sich aus dem christlichen Menschenbild. Als Christ und Christin hat jeder und jede den inneren Anspruch und die Verpflichtung sich überall dort einzusetzen, wo Unrecht geschieht, beziehungsweise wo Menschen nicht ihr Recht bekommen. Diesen politischen Auftrag kann man durchaus als prophetisch bezeichnen. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben etwas zu sagen. Gleichzeitig müssen Kirche und Gesellschaft verstehen, dass sie auch von jungen Menschen lernen können.14

6. Fazit

KJG bewegt nicht nur, sondern wird auch selbst immer in Bewegung bleiben, solange sie ihre Grundlagen und Ziele und vor allem Kinder, Jugendliche und jungen Erwachsene nicht aus den Augen verliert. „Kirche in der Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“15 zu sein in dem Sinne, wie es das Papier ausführt, setzt viel Sensibilität, Kreativität und die Bereitschaft voraus, sich immer wieder auf Neues einzulassen. Diese Bereitschaft bringt die KJG immer wieder mit. Somit gestaltet sie aktiv Kirche und Gesellschaft und eröffnet Chancen für die Zukunft. Kirche und Gesellschaft mitzugestalten ist auch mit Anstrengungen und Rückschlägen verbunden, aber ureigenster Anspruch jeder Christin und jedes Christen und somit der KJG, die sich der Kirche Jesu Christi zugehörig und verbunden weis. Solches Engagement ist nur mit viel Herzblut möglich und der Gewissheit, gemeinsam auf dem Weg zum Reich Gottes zu sein. Vieles von dem, was in dem vorliegenden Papier ausgeführt wurde, beschreibt einen Anspruch, der nicht immer durch die Wirklichkeit und Praxis gedeckt ist. An diesem Anspruch will sich die KJG aber messen lassen und ist auch offen für Kritik und Anregungen. Papst Benedikt XVI. würdigt in seiner Enzyklika „Deus caritas est“ in besonderer Weise das ehrenamtliche Engagement, indem er schreibt: „Ein wichtiges Phänomen unserer Zeit ist das Entstehen und die Ausbreitung verschiedener Formen des Volontariats (Ehrenamt), die eine Vielfalt von Dienstleistungen übernehmen. An alle, die sich in unterschiedlicher Form an diesen Aktivitäten beteiligen, möchte ich ein besonderes Wort der Anerkennung und der Dankbarkeit richten. Dieser verbreitete Einsatz ist für die Jugendlichen eine Schule für das Leben, die zur Solidarität und zu der Bereitschaft erzieht, nicht einfach etwas, sondern sich selbst zu geben.“16 Solche Anerkennung tut gut und ermutigt die KJG in dem Streben „Kirche in der Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ zu sein, nicht nachzulassen.

KJG bewegt und KJG bleibt bewegt.

 

Fußnoten

1Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland. Beschlüsse der Vollversammlung. Offizielle Gesamtausgabe I. Freiburg, Basel, Wien 1976.
2 Grundlagen und Ziele der Katholischen Jungen Gemeinde, beschlossen auf der Bundeskonferenz, Juni 1995, Altenberg.
3 Mk 1,15.
4 Franz-Josef Nocke, Wort und Geste. Zum Verständnis der Sakramente, München 1985, S. 88.
5 Ebd., S. 89.
6 Deutsche Shell (Hrsg.), 13. Shell Jugendstudie „Jugend 2000“, Bd.1, Opladen 2000, S. 179.
7 Gemeinsame Synode 1975, Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit 3.2
8 II. Vatikanisches Konzil, XVI. "Dignitatis Humanae“, 8.
9 Grundlagen und Ziele der KJG.
10 Papst Johannes Paul II., Enzyklika „Sollicitudo rei socialis“, 1987, 40, in: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 82; Vgl. auch Papst Benedikt XVI., Enzyklika „Deus caritas est“, 2005, 30b, in: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 171.
11 Vgl. Satzung der Katholischen Jungen Gemeinde 1/16, 1/29.
12 Vgl. II. Vatikanisches Konzil, I. „Sacrosanctum concilium“, besonders 11 und 14.
13 Grundlagen und Ziele der KJG.
14 Vgl. Papst Johannes Paul II., „Die Kirche hat der Jugend viel zu sagen und die Jugend hat der Kirche viel zu sagen.“ Aus der Ansprache zur Einladung zum XX. Weltjugendtag in Köln.
15 Grundlagen und Ziele der KJG.
16 Papst Benedikt XVI., Enzyklika „Deus caritas est“, 2005, 30b, in: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 171.

 

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